Dieser Aufsatz wurde zuerst in der Ausgabe #3 des mole magazin, herausgegeben von kommunistischen ums-Ganze-Bündnis, veröffentlicht.

1. Der Cultural Turn als Paradigmenwechsel für den Feminismus

In der Zeit des Kalten Krieges waren der wissenschaftliche wie auch der gesamtgesellschaftliche Diskurs wesentlich von der Systemkonkurrenz zwischen den Regulationsmodellen der Marktwirtschaft im Westen und der Planwirtschaft im Osten geprägt. Gesellschaftliche Zusammenhänge wurden folglich in erster Linie über ökonomische Ursachenkomplexe begründet. Die Frage dabei war vor allem, ob die Freiheit des Marktes, oder eine staatlich gelenkte Warenproduktion besser geeignet seien, um die Bedürfnisse der Menschheit zu befriedigen. Diese Debatte beruhte freilich auf einer verkürzten Sichtweise, da sie die kapitalistische Vergesellschaftungsweise auf die oberflächliche Frage des Regulationsmodells zurückführte. Der Kapitalismus erschien so nicht als eine Vergesellschaftungsweise, die sich hinter dem Rücken der Subjekte konstituiert und die weit über die ökonomische Sphäre hinaus alle menschlichen Beziehungen unter ihre Logik subsummiert hat. Deshalb verkam gerade in den linken Theorien die Frage nach dem Patriarchat zu einem so genannten »Nebenwiderspruch«, der sekundär von oberflächlich aufgefassten ökonomischen Ursachen abzuleiten sei. Dies war eine Mitursache dafür, dass sich eine separate Frauenbewegung bildete, da die Anliegen des Feminismus innerhalb der linken Bewegung nicht ernst genommen wurden. Read more